In diesem Artikel soll es darum gehen, ein paar Gedanken zum Thema Vernetzung und zur Verbindlichkeit in antifaschistischen Zusammenhängen darzulegen.

Warum eigentlich Vernetzung?

Jede_r kennt diese oder eine ähnliche Situation: Ihr habt ein Naziproblem bei Euch in der Stadt und wollt etwas dagegen tun. Jedoch seid Ihr ihnen zahlenmäßig unterlegen, und habt vielleicht auch einfach wenig Erfahrung im Umgang mit einer solchen Situation.
Die Lösung scheint einfach: Es werden alle Antifagruppen in der Region angeschrieben. Die Rückmeldung jedoch ist eher mau.
Dies könnte unter anderem daran liegen, dass Ihr zwar einerseits einen dringenden Bedarf nach Hilfe habt, andererseits kennen euch andere Gruppen nicht und werden euch gegenüber skeptisch sein, gerade wenn Ihr euch erst um Kontakt bemüht wenn Ihr Probleme habt. Auch Ihr selber werdet kaum Lust und Energie haben, jedes mal wenn euch kaum bekannte Gruppen nach Hilfe rufen, euch sofort voll rein zuhängen.

Zur Hilfe!

Wenn Ihr zu einem bestimmten Anlass einladet, solltet Ihr einige Dinge beachten:

Macht Euch vorher klar was Ihr wollt. Es ist sehr schwierig für eine Basis für eine Zusammenarbeit zu finden, wenn nicht klar ist, worum es genau geht. Noch bevor Ihr euch also daran macht, andere Gruppen für gemeinsame Aktionen einzuladen, solltet Ihr euch darüber im klaren sein wie die Aktionen aussehen sollen und welche Ziele sie verfolgen, welche Parts Ihr übernehmen könnt und für welche Ihr Hilfe von außerhalb braucht.

Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, könnt Ihr andere Gruppen anschreiben. Dabei solltet ihr darauf achten, dass Ihr klar formuliert was Ihr von den anderen Gruppen erhofft und welche Ziele die Aktionen verfolgen. Dies sorgt für Transparenz und ermöglicht den eingeladenen Gruppen schon vor dem Treffen mit euch intern zu klären welche Möglichkeit die Gruppe für sich sieht Euch in euren Aktionen zu unterstützen.

Weil sich eben nicht jede Gruppe täglich trifft solltet Ihr dafür Sorge tragen, dass Ihr euch früh genug bei den anderen Gruppen meldet. So bleibt den angeschriebenen Gruppen auch die Möglichkeit konstruktive Kritik an den geplanten Aktionen zu üben. Dass hilft Euch, denn dann müsst Ihr nicht die Fehler begehen die anderen Gruppen bereits begangen haben.

Deshalb Vernetzung!

Um zu verhindern, dass Ihr immer erst dann Kontakte knüpft, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, ist es wichtig den Kontakt zu anderen Gruppen zu suchen, auch und gerade in Zeiten, in denen Ihr eigentlich keine Hilfe bräuchtet. Dass ist was gemeinhin als Vernetzung bezeichnet wird.

Vernetzung kann und sollte auf einem sehr niedrigen Level beginnen, in der Region. Normalerweise wird es in Eurer näheren Umgebung mehrere Antifagruppen geben, teilweise auch in der selben Stadt. Da diese Gruppen in einem ähnlichen Rahmen arbeiten wie Ihr solltet Ihr versuchen, eure Arbeit zu koordinieren.

Im Kleinen…

Vorbild sind hier die Regionaltreffen, von einigen liebevoll „Regio’s“ genannt, die es in vielen Gegenden gibt. Solche Treffen sollten regelmäßig stattfinden, damit Ihr als Antifaschist_Innen wisst, was eure Mitstreiter in der Region machen.
Regiotreffen einzurichten erfordert nicht viel Arbeit. Die benachbarten Gruppen einzuladen, und einen regelmäßigen Termin zu vereinbaren, ist ein Aufwand der uns gering scheint und der sich auszahlt, wenn Ihr einmal Hilfe benötigt. Dann habt Ihr ein Netzwerk aus Gruppen, die sich gegenseitig Vertrauen und zusammen eine Menge mehr bewegen können.

…wie im Großen!

Wenn Euch der Sinn nach größerem steht, bieten überregionale Vernetzungen einige Möglichkeiten. Meistens finden solche im Zuge der Vorbereitung zu Großereignissen statt. Meist wird im Vorfeld solcher Ereignisse zu Vorbereitungstreffen geladen, die neben der konkreten Aktionsplanung auch die Möglichkeit bieten, Kontakte zu knüpfen. Auch immer wieder stattfindende Kongresse und die beiden antifaschistischen Sommercamps in NRW bieten Möglichkeiten, sich über die eigenen Regionen hinaus zu vernetzen.

Antifa heißt…? Verbindlichkeit!

Jedoch zu denken, dass es immer so einfach ist wäre naiv. Oftmals scheitert eine überregionale Kooperation weniger an der Vernetzung, sondern viel mehr daran, dass es innerhalb der Antifaszene an Verbindlichkeit fehlt.

Verbindlichkeit mag erst mal merkwürdig klingen. Eine autonome Antifagruppe ist doch keine Firma, in der jeder bei Strafe des Jobverlusts pünktlich sein muss? Stimmt, aber darum geht es uns auch nicht. Wir finden, dass in der Kommunikation zwischen Gruppen, und auch in der Zusammenarbeit einige Dinge oftmals schief laufen.

Es fängt häufig schon damit an, dass Gruppen schlecht zu erreichen sind. Mailfächer werden teilweise nicht regelmäßig kontrolliert, und so gehen wichtige Informationen unter.
Aber auch Absprachen über Aktionen sind häufig nicht so Verbindlich, wie sich mensch dass wünschen würde. Oft scheitern getroffene Absprachen an der personellen Situation von Gruppen. Dies wäre an sich noch kein Problem, schließlich sind wir alle keine Roboter, und wenn die Kraft nicht da ist, müssen wir dass hinnehmen. Fatal ist jedoch, wenn solche Dinge nicht kommuniziert werden. Ein solidarisches Miteinander bedingt, dass über solche Dinge offen gesprochen wird, damit niemensch ins offene Messer läuft, weil Zusagen einkalkuliert waren, die dann nicht eingehalten wurden.

Ein anderes Problem sehen wir in der identitären Attitüde einiger „Mitstreiter“. Immer wieder trifft mensch in Antifa-Zusammenhängen auf Leute, denen ihr schwarzer Windbreaker wichtiger ist als die Analyse von Problemen und bedachtes Handeln. Allzu oft wird „antifaschistische Aktion“ darauf beschränkt, zur Szene zu gehören, auf Demonstrationen herum zu prollen und die Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft zu zelebrieren. Solches Verhalten finden wir nicht zielführend, sondern beschränkt.

Darum wollen wir zum Abschluss dieses Artikels unseren Wunsch nach Vernetzung und einer stärkeren antifaschistischen Verbindlichkeit noch einmal klar äußern und fordern alle Gruppen dazu auf, diese in NRW zu etablieren und zu stärken. Denn nur so können wir den sich verschlechternden Bedingungen in NRW begegnen.

Gemeinsam sind wir Unausstehlich!

Zuerst veröffentlicht in decrypt #4