Antifaschistische und antirassistische Aktionen im September

Der Wirbel um den 1. September lässt langsam nach. Viel wird in den nächsten Monaten zur Auswertung zu sagen sein. Das Verbot von drei rechten Kameradschaften in Dortmund, Hamm und Aachen, die Demonstrationsverbote und -Einschränkungen – ganz im Sinne der Extremismustheorie auch gegen Antifaschist_innen – im Stadtgebiet Dortmunds und die Hetze des Oberbürgermeisters und seiner Handlanger formen den Umriss einer neuen Situation, auf die sich auch die Organisierten Antifaschist_innen einstellen müssen.

An anderer Stelle aber geht es weiter wie es immer weiter geht. In der zweiten Hälfte des Septembers sind eine Reihe antifaschistischer Aktionen und Demonstrationen geplant. Außerdem geht der seit Monaten andauernde Protest von Flüchtlingen gegen die Zustände in den Lagern für Asylbewerbern in eine neue Runde. Aber lest selbst:

15.9. Wuppertal/Essen: Aktionen gegen NPD-Kundgebung
19.9. Bochum/Dortmund: Bustour gegen die Isolation von Flüchtlingen macht Station
22.9. Essen: NPD-Zentrale dichtmachen!
29.9. Erkelenz: Demo gegen rechte Strukturen und die ehem. „Kameradschaft Aachener Land“

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15.9. Wuppertal/Essen: Aktionen gegen NPD-Kundgebungen

Am Samstag, den 15.9., wollen der NPD-Kreisverband Wuppertal und eine sog. „Ragnarök Crew“ in Wuppertal eine Kundgebung, gegen den Euro und Repression, abhalten. Der von den Neonazis angepeilte Ort ist der Wichlinghauser Markt. Beginnen soll diese um 12:00 Uhr.

Das Bündnis „Wuppertal gegen Rechts“ hat für 12:00 eine Gegenkundgebung am Wichlinghauser Markt angemeldet. Antifaschist_innen aus Wuppertal rufen dazu auf den Neonazis eine Abfuhr zu erteilen. Am Samstag wird es von Infoportal Wuppertal einen Ticker geben. Diesen findet ihr unter twitter.com/InfoportalWPT

Auch in Essen hat die NPD ab 11:00 Uhr in der Huestraße in Essen-Schonnebeck eine Kundgebung unter dem Motto “Raus aus dem Euro” angemeldet. Das Bündnis Essen stellt sich quer ruft zu Protesten auf.

19.9. Bochum/Dortmund: Flüchtlingsmarsch Bustour

Am 19. März 2012 begannen Flüchtlinge in Würzburg eine neue Ära des Protestes gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen und das miserable Asylrecht in Deutschland. Im Moment befinden sich neun Städte in vier Bundesländern mit Protestcamps auf der Straße. In der angehängten Pressemitteilung kündigen die Streikenden einen Karawane nach Berlin an, um den Protest dort gemeinsam fortzuführen.

Es wird zwei Wege geben. Einen Fußmarsch und eine, von der Strecke her längere, Bustour nach Berlin. Das Ziel dieser Aktionsform ist es, dass sich Flüchtlinge, die in den auf dem Weg liegenden Lagern wohnen, der Karawane anschließen. Neben weiteren Städten in NRW macht die Bustour am 19.9. in Bochum/Dortmund Station. Informationen zum Marsch und zur Bustour findet ihr auf der Homepage der Protestcamps, lokale Aktionen beim Transnationalen Aktionsbündnis.

22.9. Essen: NPD-Zentrale dichtmachen!

Mehrere Jahrzehnte lang existierte in Bochum-Wattenscheid die Landeszentrale der Nordrhein-Westfälischen NPD. Nun hat die rechtsradikale Partei in der Marienstraße 66a im Essener Stadtteil Kray eine neue Bleibe gefunden. In den letzten Wochen fanden hier bereits mehrere Treffen statt, an denen Parteifunktionäre aus ganz NRW teilnahmen.

In Essen ist die rechtsradikale Partei seit einigen Jahren wieder überaus aktiv. Die Wahl des damals 26-jährigen Parteiaktivisten Marcel Haliti zum Kreisverbandsvorsitzenden markierte im Jahr 2009 einen Generationenwechsel in der Essener NPD. Haliti ist es gelungen, eine große Zahl junger und aktionistisch ausgerichteter Neonazis in die Strukturen des Kreisverbands einzubinden. Die Eröffnung der NPD-Landeszentrale wird aller Voraussicht nach zu einer Ausweitung rechter Aktivitäten und zu einer weiteren Stärkung der rechten Szene in Essen führen.

Die Antifa Essen Z ruft für Samstag, den 22.9.2012, zu einer Demonstration gegen die neue NPD-Zentrale auf. Die Auftaktkundgebung findet um 13:00 Uhr am S-Bahnhof Essen-Steele statt.

29.9. Erkelenz: Demo gegen rechte Strukturen und die ehem. „Kameradschaft Aachener Land“

Für das Leben - Ohne Rassismus, Antisemitismus und KAL!Unter dem Motto: „Für das Leben – ohne Rassismus, Antisemitismus und ‚KAL‘!“ rufen Antifaschistische Gruppen aus der Region Aachen zu einer Demo in Heinsberg auf. Auch nachdem die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) am 23.8.2012 verboten wurde, gibt es genug Grund auf die Straße zu gehen.

Von den im Kreis Heinsberg lebenden KAL-Mitgliedern gingen schon mehrfach Übergriffe auf Personen aus, die nicht ins neonazistische Weltbild passen. Zuletzt im Umfeld des „Public Viewing“ in der Heinsberger Innenstadt zum Länderspiel Deutschland-Griechenland. Viele Übergriffe und Attacken ereigneten sich in Wassenberg, wo unter anderem eine Rockkneipe überfallen und mit Gaspistolen auf Menschen geschossen wurde.

Das sich die rechten Schläger nicht mehr unter dem Namen „KAL“ organisieren dürfen wird ihnen lästig fallen, an ihrer Anwesenheit und ihren auch in Zukunft zu erwartenden Gewalttaten ändert sich dadurch nichts. Es ist an der Zeit, den neonazistischen Umtrieben im Kreis Heinsberg endlich offensiv etwas entgegenzusetzen. Nötig ist ein deutliches Zeichen, um den Nazis zu zeigen, dass ihre Ideologie und ihre Aktivitäten hier und überall unerwünscht sind. Dafür müssen alle, die den Nazis etwas entgegensetzen wollen, gemeinsam auf die Straße gehen – nicht zum Selbstzweck, sondern um einen Anfang zu machen, dem vielfältige Aktionen folgen müssen. Die Demonstration beginnt um 12:00 Uhr am Bahnhof Erkelenz. Informationen unter 29september2012.blogsport.de.