Castor 2011 – Was passiert im Wendland?

Was ist der Castor?

Am 24. November startet in Valognes, Frankreich, ein Transport mit Hochradioaktivem Material nach Gorleben in Niedersachsen. Vor über 40 Jahren wurde beschlossen in der Stadt an der Elbe ein Endlager für solche Abfälle zu bauen. In einem alten Salzstock soll der Strahlenmüll für tausende Jahre versenkt werden. Seit der Entscheidung, in Gorleben Atommüll zu Lagern, ist der Kampf gegen das Endlager ein wichtiges Thema linker Politik.

Gorleben? – ein Skandal

Die Auswahl Gorlebens als Standort für ein atomares Endlager war politische Entscheidung. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges schien es vielversprechend, ein wenig besiedeltes Gebiet an der deutsch-deutschen Grenze auszuwählen. Es wurde mit wenig Widerstand gerechnet, die sachliche Prüfung des Standorts geriet zur Farce. Mit der Entscheidungsfindung für den Standort Gorleben beschäftigt sich mittlerweile ein Untersuchungsausschuss des Bundestages.
Aus Fachlicher sicht bestehen massive Zweifel an der Eignung des gorlebener Salzstocks. Die Schachtanlage Asse, ein vergleichbares, zum Test-Endlager umgewidmetes Salzbergwerk, droht mittlerweile unkontrolliert mit Salzlauge voll zulaufen, auch die Barriere zur umliegenden Gesteinsschichten ist möglicherweise nicht mehr gewährleistet.
Trotzdem haben wechselnde Regierungen über Jahrzehnte an dem Vorhaben, Gorleben als Endlager vorzubereiten, festgehalten. Mit dem Bau und Betrieb eines Zwischenlagers und dem Transport großer Mengen Radioaktiven Abfalls in dieses Zwischenlager wurden Fakten geschaffen. Es steht zu befürchten das mit jedem weiteren Castortransport ein Endlager in Gorleben wahrscheinlicher wird.
Im Vorfeld des diesjährigen Castor kündigt die Bundesregierung an, die Suche nach einem Endlager neu aufzurollen. Es bleibt abzuwarten ob sich sich dabei um ein ernst gemeintes Vorhaben oder eine neue Finte in der langen Geschichte von Ablenkungsmanövern in der Geschichte des Endlagers Gorleben handelt.

Widerstand im Wendland

Seit den ersten Planungen für ein Endlager in Gorleben gibt es Widerstand gegen das Vorhaben. Am 3. Mai 1980 besetzten mehrere tausend Endlagergegner die Bohrstelle 1004, an der Testbohrungen für das geplante Bergwerk durchgeführt wurden. Die Besetzer riefen die “Freie Republik Wendland” aus und errichteten ein basisdemokratisch organisiertes Hüttendorf, das nach 33 Tagen von der Polizei geräumt wurde.
Auch die 1995 begonnenen Atommülltransporte riefen Widerstand hervor. Straßen- und Schienenblockaden, von Menschen oder mit Material, Großdemos und Aktionen an der Transportstrecke sorgten dafür, dass Castortransporte von vielen tausend Polizisten bewacht werden müssen. im Jahr 2010 gelangte der Castor wegen des Widerstands erst mit 92 Stunden Verspätung in das Zwischenlager.

Die Aktionen

Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Aktionen gegen den Castortransport geplant:

Castor Schottern

Die Kampagne Castor Schottern ruft dazu auf, Massenhaft an die Bahngleise zu gehen, auf denen der Castortransport vorbeifahren wird, und dort den Schotter aus dem Bahngleis zu entfernen, um die Strecke unbefahrbar zu machen. Mehr Infos

X-Tausenmalquer

Kommt alle ins Wendland!Die Kampagne X-Tausendmalquer ruft zu friedlichen Massenblockaden auf der Strecke des Castortransports auf. Mehr Infos

Atomstaat Stilllegen

Die Kampagne Atomstaat Stilllegen ruft dazu auf, die Infrastruktur von Polizei und Atomwirtschaft im Wendland anzugreifen. Auf der Homepage findet sich eine Karte mit zahlreichen Hinweisen auf Stellen, die während des Castortransports für die Polizei wichtig sind. Mehr Infos

Großdemonstration

Gorleben Castor 2011 Für den 26. November rufen zahlreiche Gruppen zu einer Großdemonstration gegen den Castortransport auf. Eine gute Adresse für all diejenigen die gegen den Castor Protestieren wollen, aber an den direkten Aktionen nicht teilnehmen können. Mehr Infos

Was noch?

Im Wendland gibt es in der Zeit um den Transport eine riesige Infrastruktur mit Aktionscamps, VoKü’s und unzählige solidarische Menschen. Informationen findet ihr unter www.gorleben-castor.de. Vor Ort erkennt ihr freundlich Gesinnte an den gelben X-Symbolen die vor zahlreichen Häusern stehen