Archiv für Dezember 2010

Letzte Infos zur morgigen Demo

Morgen um 16:00 startet die Demo gegen den neuerlichen Angriff auf die Kneipe „Hirsch-Q“ am letzten Wochenende. Geändert hat sich allerdings der Startort: statt oberhalb der Katharinentreppe beginnen wir jetzt unterhalb, direkt vor dem Hauptbahnhof. Von dort aus zieht die Demo zur Hirsch-Q und zum Friedensplatz. Derweil veröffentlichen die Dortmunder Neonazis ihre ganz eigene Route unserer morgigen Antifa-Demo über Twitter.

Der Wetterbericht sagt für den morgigen Samstag -5°C bist -8°C voraus. Winterkleidung, Mützen und Schals sind also mehr als angebracht. Das Mobi-Flugblatt für die Demo zum Ausdrucken und Verteilen findet ihr hier als PDF.

Für denselben Tag lädt die extrem rechte Hooligan-Band „Kategorie C / Hungrige Wölfe“ zu einem großen „Weihnachtskonzert im Ruhrpott/Raum Dortmund“. Nachdem bereits mehrere Veranstaltungsorte der RechtsRock-Band für ein geplantes Konzert im September geplatzt sind soll nun ein weiterer Versuch gestartet werden. Es soll eins der letzten drei Konzerte von KC vor einer angekündigten „Schaffenspause auf unbestimmte Zeit“ sein. Wir weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Demonstrationsteilnehmer nicht alleine anreisen sollten.

Der Angriff und die folgenden Ereignisse sorgten bereits für ein großes Medien-Echo. Hier eine kleine Presseschau:
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Dortmund: Dortmunder Antifa-Bündnis DAB ruft zur Demonstration am 18. Dezember um 16 Uhr auf

Für Samstag, den 18.12., ruft das Dortmunder Antifa-Bündnis (DAB) zu einer Demonstration in der Dortmunder Innenstadt auf. Anlass ist der erneute brutale Überfall von Neonazis auf die alternative Kneipe „Hirsch Q“ in der Nacht von letztem Samstag auf Sonntag, bei dem mehrere Gäste verletzt wurden. Die Demonstration beginnt um 16:00 Uhr auf der Katharinenstraße Ecke Kampstraße

Gegen 00:40 Uhr attackierten zehn bis fünfzehn Personen der neonazistischen Kameradschaft „Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld“, beziehungsweise aus deren Umfeld, das Lokal und dessen Besucher_innen. Dabei wurde unter anderem die Fensterfront sowie die Eingangstür massiv beschädigt. Im Laufe der Auseinandersetzung wurden mehrere Personen auf beiden Seiten verletzt. Ein Gast erlitt eine Stichverletzung, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Einem uns vorliegenden Augenzeugenbericht zufolge, stach beim Eindringen in die Kneipe einer der Neonazis blindwütig auf die Person ein. Darüber hinaus setzen die Neonazis Metallstühle, Barhocker, Flaschen und weitere Gegenstände als Hiebwaffen gegen ihre Opfer ein.

Dank der Gegenwehr der Besucher_innen konnte einer der angreifenden Neonazis vor Ort überwältigt und anschließend der Polizei übergeben werden. In der darauf folgenden Fahndung konnten elf Personen im Alter zwischen 18 und 38 Jahren des rechten Spektrums vorübergehend festgenommen werden. Einigen Neonazis gelang unerkannt die Flucht.

Die alternative Szenekneipe „Hirsch Q“ in Dortmund wurde seit 2006 nun zum sechsten Mal von einer großen Gruppe organisierter Neonazis gezielt, geschlossen und massiv angegriffen. Darüber hinaus gab es seit 2006 unzählige kleinere Übergriffe von lokalen und regionalen Neonazis gegen das Lokal und seine Gäste. Konsequenzen hatten die rechten Angreifer_innen jedoch nur selten zu befürchten. So wurden alle Verfahren gegen die Angreifer_innen des letzten Überfalls auf die „Hirsch Q“ Ende August dieses Jahres eingestellt. Es stellt sich die Frage, ob in Dortmund eine Art Straflosigkeit für Neonazis gilt. Wir fordern die Politiker_innen der Stadt Dortmund auf, sehr genau zu prüfen, wie es dazu kommt, dass dieses Verfahren eingestellt wurde und welche motivierenden Auswirkungen solcherlei Vorgehen auf die lokale Neonaziszene hat.

Es darf nicht sein, dass in Dortmund wieder Menschen durch anhaltenden Naziterror vertrieben werden: Nachdem im letzten Jahr eine Familie aus dem Stadtteil Dorstfeld wegziehen musste, geht es diesmal um die „Hirsch Q“ im Brückstraßenviertel. Nach dem Naziangriff überlegt der Betreiber der “Hirsch Q” seine Kneipe zu schließen, da er es nicht mehr verantworten könne, dass seine Gäste um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten müssten. Wir möchten die Demonstration deshalb auch dazu nutzen, die angrenzenden Kneipen und Geschäfte in der Brückstraße dazu aufzufordern, ein deutliches Zeichen der Solidarität mit der “Hirsch Q” zu setzen. Wir schließen uns deshalb der Mahnung an, die an der seit Sonntag geschlossenen Kneipe zu lesen ist: „Muss erst wieder ein Mensch sterben?

Zusätzliche Brisanz gewinnt der Überfall dadurch, dass sich unter den angreifenden Neonazis auch Sven Kahlin, der Mörder des 2005 erstochenen Punkers Thomas „Schmuddel“ Schulz, befand. Kahlin, der nach dem Mord zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war, ist vor wenigen Wochen vorzeitig entlassen worden. Seitdem ist er verstärkt in der rechten Szene aktiv und trat als Redner beim Naziaufmarsch am 23. Oktober in Hamm auf. Außerdem nahm er an Nazidemos am 17.10. in Leipzig und am 4.12. in Dortmund teil. Dabei fällt besonders sein gutes Verhältnis zu den Führungskadern der “Autonomen Nationalist_innen” auf.

Kahlin ist zwar sozial in der Skinheadszene beheimatet, genießt aber überdies bei den “Autonomen Nationalisten_innen” eine Art Heldenstatus und wird für seine damalige Tat gefeiert. Schon vor seiner Inhaftierung war Kahlin in der „Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld“ aktiv. Zuletzt machte diese Neonazi-Gruppe im Februar 2009 mit ihrer Beteiligung an einem Angriff auf abreisende Gegendemonstrant_innen nach dem Naziaufmarsch in Dresden bundesweit auf sich aufmerksam.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis DAB hat zur Entlassung des Mörders Kahlin auf dessen beabsichtigte nahtlose Wiedereingliederung in die Naziszene hingewiesen. Damals zogen 250 Demonstranten vor das sog. “Nationale Zentrum” in der Rheinischen Straße. Wir fühlen uns durch Kahlins Tatbeteiligung an dem neuerlichen Angriff auf die ‘Hirsch-Q’ leider in dieser Annahme bestätigt. Laut einem Pressebericht soll Kahlin ein Messer mit sich geführt haben. Trotz vieler Hinweise darauf, dass Kahlin nach seiner Entlassung wieder in der rechten Szene Fuß fassen und in Erscheinung treten würde, wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Nun hat sich gezeigt, welche juristische Fehlentscheidung dort gefallen ist. Leider erst nachdem Kahlin auf diese Weise in Erscheinung treten konnte.

Spontandemo nach Naziangriff

Etwa 100 Menschen demonstrierten heute spontan gegen Gewalt von Neonazis. Vom Stadtgarten bis zur Reinoldikirche zog die Demonstration über den Weihnachtsmarkt.

Anlass war der gestrige Angriff von Neonazis auf die Kneipe „HirschQ“ in der Dortmunder Innenstadt. Ca. 10 Angehörige der sogenannten „Skinhead Front Dortmund Dorstfeld“ hatten gegen 0:40 Uhr Besucher_innen der Kneipe angegriffen. Es gab mehrere Verletzte, ein Gast musste mit Stichverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Demonstration zog – mit Bengalischen Lichtern untermalt – durch die Innenstadt. Auf Transparenten wurde dazu aufgerufen, gemeinsam gegen Nazis zusammenzustehen. Während der Demonstration wurden Flugblätter an Passant_innen verteilt, die über die Vorfälle in der Nacht auf Sonntag aufklärten.

Am Rande der Demonstration hielt sich ein Neonazi auf, der nicht nur an seiner Thor-Steinar-Kleidung als solcher auszumachen war, sondern auch an seinen Sprüchen, mit denen er die Antifaschist_innen zu provozieren versuchte. Daraufhin folgte eine handfeste Reaktion einiger Demonstrant_innen zum Nachteil des Faschisten, woraufhin dieser später ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

An der Reinoldikirche löste sich die Demonstration auf. Die sichtlich überforderte Polizei versuchte noch, Demonstranten festzuhalten. Sie kontrollierte wahllos Gruppen von Menschen im Bereich der Innenstadt und verteilte Platzverweise.

Erneut Naziangriff auf die „HirschQ“

Dortmund. In der Nacht auf Sontag wurde erneut die alternative Kneipe „Hirsch Q“ auf der Brückstraße in Dortmund von Neonazis überfallen.

Gegen 0:40 Uhr attackierten 10 bis 20 Personen aus dem Umfeld der rechten „Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld“ die Besucher_innen der Kneipe und beschädigten dabei unter anderem die Glasfront sowie die Eingangstür. Im Laufe der Auseinandersetzung gab es mehrere Verletzte auf beiden Seiten. Unter den Verletzten befanden sich mehrere Besucher_innen der Hirsch Q, ein Gast erlitt eine Schnittverletzung die im Krankenhaus behandelt werden musste.

Durch die Gegenwehr der Besucher konnte einer der Neonazis vor Ort überwältigt und anschließend der Polizei übergeben werden. In der darauf folgenden Nahbereichsfahndung konnten laut Angaben der Polizei zehn Personen des rechten Spektrums festgenommen werden.

Die alternative Szenekneipe „Hirsch-Q“ in Dortmund ist in der Vergangenheit mehrfach von Neonazis überfallen worden. Dabei gehen die Neonazis mit erheblicher Gewalt gegen Sachen und Menschen vor und nehmen lebensgefährliche Verletzungen bewusst in kauf. Folgen haben die rechten Angreifer dabei allerdings nur selten zu befürchten. So wurden alle Verfahren gegen die Angreifer des letzten Überfalls ende August mitlerweile eingestellt.

Naziaufmarsch wegen antifaschistischem Protest Umgeleitet

Dem Aufruf zu Aktionen gegen den Naziaufmarsch am heutigen Samstag folgten mehr als 200 Gegendemonstrant_innen. Es gelang, eine Umleitung des Aufmasches zu erzwingen und den Aufmarsch über weite Strecken mit Protest zu begleiten.

Proteste gegen den
Naziaufmarsch

Circa 120 Neonazis fanden gegen 13:00 den Weg zur S-Bahn-Haltestelle Stadthaus, um gegen die gegen sie gerichteten Polizeimaßnahmen der letzten Woche zu demonstrieren. Die Twitter-Meldung der Neonazis, drei (!) Antifaschisten befänden sich an der Saarlandstraße, stellte sich schnell als Trugschluss heraus. Denn eine Vielzahl von kleinen Gruppen war zu diesem Zeitpunkt bereits im Stadtviertel unterwegs und setzte die Polizei offenbar dermaßen unter Druck, dass sie den Aufmarsch der Rechten zunächst aufhalten musste. Auch repressive Maßnahmen der Polizei, unter anderem die Einkesselung von circa 40 Gegendemonstrant_innen an der Hohen Straße / Kreuzung Chemnitzer Straße, brachten der Polizei kaum Vorteile.

Der Aufmarsch der rechten
startete verspätet und musste
umgeleitet werden

In der Zwischenzeit spitzte sich die Lage weiter zu. Die Polizei sah sich nicht in der Lage, die angemeldete Route über die Saarlandstraße und Hohe Straße durchzusetzen, da sich mehr als 200 Gegendemonstranten in diesem Bereich aufhielten, und musste die Demonstration der Neonazis schließlich über die Ruhrallee und zuletzt über Nebenstraßen zu ihrer Kundgebung am Polizeipräsidium leiten.

Immer wieder fanden Aktionen
an der Strecke der Nazis statt

Auch am Polizeipräsidium sahen sich die Rechten lautstarkem Protest gegenüber, der zeitweise sogar ihre Kundgebung übertönte. Immer wieder fanden entlang und auf der umgeleiteten Aufmarschstrecke Störaktionen statt, z.B. mit Transparentaktionen direkt vor der Nazidemo und Schneeballwürfen von Balkonen.

Versammlungsleiter
Sascha Krolzig aus
Hamm diskutiert mit
der Polizei

Die Dortmunder Neonazis zeigten sich sichtlich verärgert. Schon während der Versammlung kündigten sie an, am 24. und 31. Dezember 2010 sowie am 1. Janur 2011 Versammlungen anzumelden, um die Polizei unter Druck zu setzen. Die Stimmung bei den teilnehmenden Neonazis war den Umständen entsprechend verhalten.

Die Befürchtungen des Dortmunder Antifa-Bündnisses, der Protest könne wegen der zahlreichen anderen Linken Veranstaltungen in der Region eher gering ausfallen, haben sich nicht bestätigt. Wir sind erfreut, dass sich so viele Antifaschist_innen am Protest beteiligt haben. Abgerundet wurde der Tag durch die Tatsache, dass es zwar eine Menge Platzverweise und Personalienfeststellungen, teilweise auch gewaltsam, jedoch keine dauerhafte Ingewahrsamnahme gab. Solltet Ihr im Nachhinein rechtlichen Ärger bekommen, meldet Euch beim Dortmunder Antifa Bündnis oder der Roten Hilfe Bochum/Dortmund.